Braucht es in Unternehmen einen CDO (Chief Digitalisation Officer)?

In Digitalisierung, Unternehmen by Mario

Macht es Sinn die Digitalisierungsstrategie eines Unternehmens in die Hand einer einzelnen Person zu legen – dem sogenannten „Chief Digitalisation Officer“? Gemäss aktuellen Zahlen nimmt die Anzahl an CDOs in Mittelgrossen Unternehmen seit Jahren deutlich zu. Warum ist das so? Welche Aufgaben muss ein CDO wahrnehmen und welche Kompetenzen muss er mitbringen? Und warum wird der damit einhergehende digitale Wandel nicht nur positiv aufgenommen? Diese und weitere Fragen gilt es zu klären.

Die Idee des CDOs im Unternehmen ist rasch erklärt: Die Aufgabe eines „Chief Digitalisation Officers“ (auch „Chief Digital Officer“ genannt, kurz CDO) besteht darin eine Digitalisierungsstrategie zu entwickeln und umzusetzen. So leicht die Definition ist, so schwammig gestalten sich die konkreten Anforderungen an einen CDO. Wo der Aufgabenbereich eines CDOs anfängt oder aufhört ist von Unternehmen zu Unternehmen verschieden. Dieser Umstand kann rasch zu Missverständnissen führen, wie das folgende Beispiel zeigt.

„Ein im Unternehmen eingesetzter CDO beschliesst von einer traditionellen IT Infrastruktur auf eine neuartige „Bring your own device“ Struktur umzustellen. Er verspricht sich dadurch weniger Hardwarekosten und flexibleres Arbeiten der Angestellten. Er bringt das Konzept zu Papier und übergibt es dem Leiter IT, welcher das Konzept umsetzen soll. Nach einigen Monaten herrscht ein Chaos, da gewisse Dienste  auf den privaten Geräten der Mitarbeiter nicht funktionieren und sie regelmässig auf Ihre alten Arbeitscomputer zurückgreifen müssen.“ – Was ist schiefgelaufen?

Darum schiessen Ausbildungen wie Pilze aus dem Boden

Die Hochschule Luzern HSLU schreibt ihren neuen Kurs „CAS Chief Digital Officer“ aus und titelt diesen mit „Digitalisierung erfordert neues Führungsverständnis“ (siehe Quellangabe). Betrachtet man das obige Beispiel muss man von einer falschen Erwartungshaltung beider Personen ausgehen und weniger von fehlenden Kompetenzen. Hier liegt wohl eindeutig ein Management Problem vor. Auch dazu findet sich auf der HSLU Homepage ein passender Satz: „Das Fazit ist klar: IT ist Chefsache und Leadership ist in Veränderung. “. Es scheint immer wichtiger zu werden, dass Leadership den Zielen des Unternehmens angepasst wird.

Einen CDO im Unternehmen zu installieren, ist eine Management-Entscheidung. Ein CDO ist im Idealfall ein Allrounder und gleichzeitig ein Vertreter der Geschäftsführung. Er braucht ein Gespür für Trends und ein grundlegendes Verständnis von Technologie, um deren Einfluss auf das Unternehmen einschätzen zu können. Er verfügt über passende Hard- und Softskills und handelt sowohl im Interesse der Angestellten, als auch dem Unternehmen. Eine Person mit diesen Voraussetzungen ist ein idealer Kandidat, welcher sich jedoch einer fast unmöglichen Herausforderung gegenüber gestellt sieht. Er muss das Unternehmen durch die Digitalisierungsphasen der nächsten Jahre führen.

Wo abgegrenzt werden muss

In den meisten Fällen empfiehlt es sich die Befugnisse in einem Stellbeschrieb möglichst klar zu formulieren. Darüber hinaus sollte das Ziel eines CDOs im Unternehmen klar definiert und den Mitarbeitern vorgestellt werden. Schafft es das Unternehmen einen CDO erfolgreich zu etablieren, so kann dadurch tatsächlich eine gewinnbringende Veränderung entstehen. Dies erfordert jedoch meist ein radikales Umdenken der einzelnen Führungskräfte, welches nicht unterschätzt werden darf. Ein längerer Findungsprozess ist daher häufig unumgänglich.

Auch die Studie „Chief Digital Officer 2018“ (siehe Quellangabe) stellt bereits im Vorwort klar: „Immer mehr Unternehmen schicken sich an, die Verantwortung für die digitale Transformation in die Hände eines eigens installierten „Chief Digital Officer“ zu legen. Oft genug geschieht dies allerdings, ohne dessen Aufgaben hinreichend genau zu beschreiben und festzulegen, wie eine optimale Aufgabenverteilung zwischen CEO, CIO und CDO aussieht.“

Erwartungshaltung anpassen

Was erwartet ein Unternehmen also von einem CDO? Die Antwort: Meist zu viel. Ein Unternehmen verspricht sich von der Rolle häufig den Weg in die Digitalisierung zu finden. Es obliegt dabei dem Chief Digital Officer, wie er den Weg bestreiten möchte. Gemäss dieser Definition muss ein CDO weitreichende Entscheidungen treffen können – und genau das scheint ein aktuelles Problem zu sein. Selbst Wikipedia verweist mit folgendem Satz auf dieses Problem: „Aus diesem Grund nimmt nicht nur die Anzahl der aktiven CDOs, sondern auch die der Ex-CDOs zu“. Es stellt sich hier auch die Frage, woran der Erfolg eines CDOs gemessen werden soll, darf und kann.

Besonders spannend an der Studie sind auch die jeweiligen Scopes der befragten CDOs. 73% fokussieren sich auf die Digitalisierung der Prozesse, wobei  61% auch die Kundenerlebnisse verbessern wollen. Was mir dabei auffällt ist die Tatsache, dass „Rentabilität“ und „Innovation“ von CDOs höher bewertet wird, als „Nachhaltigkeit“ und „Stabilität“. Den Anspruch die Zusammenarbeit der Mitarbeiter durch geeignete Digitalisierungsmassnahmen zu optimieren haben nur wenige.

So gelingt der Change

„Wenn wir unseren Job gut machen, gibt es uns nicht mehr“ lautet eine der Aussagen aus dem Bericht. Interessanterweise gibt es hier Überschneidungen mit dem Scrum Framework und der darin definierten Rolle des Scrum Masters. Macht ein CDO seine Aufgabe gut, so wird das Etablieren einer neuen digitalen Richtung zum Selbstläufer und muss nicht gefördert, sondern lediglich begleitet werden. Ähnlich der Aufgabe eines Scrum Masters kann auch der CDO als Leitorgan eingesetzt werden, vorzugsweise also eine Person mit einer Coaching, anstelle einer fundierten fachlichen Kompetenz.

Parallel zur wachsenden Anzahl an CDOs etablierten sich im letzten Jahr entsprechende Weiterbildungsangebote, wie auch das obige Beispiel der Hochschule Luzern zeigt. Die Idee hinter den Lehrgängen ist es konkrete Vorgehensweisen zu schulen, wie der digitale Wandel gelingen kann und ein Bewusstsein zu schaffen, wie ein guter CDO ein Unternehmen weiterbringen kann.

Fazit

Ein CDO ist eine wichtige Rolle mit viel Potential. Erhält ein CDO klare Vorgaben, klare Befugnisse und ein klares Ziel, so ist er in der Lage das Unternehmen weiterzuentwickeln. Mit der Einführung eines CDO einher geht aber ein komplexer Prozess, welcher nicht unterschätzt werden darf. Es bedarf einer mental vorbereiten Geschäftsführung und einer gesunden Einstellung zum digitalen Wandel. Verfügt der CDO zudem über die gewünschten Kompetenzen und der nötigen Haltung können Unternehmen von ihm so Schrittweise in die Digitalisierung geführt werden.

Quellen

Die Informationen aus den Quellen sind vom 13.03.2020.